
Kaum eine andere medizinische Fachdisziplin hat sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten so verändert wie die Anästhesiologie.
Der Bogen spannt sich vom „Narkotiseur", dessen Aufgabe ausschließlich die Betäubung des Patienten war, zum Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, mit seinem breit gefächerten Arbeits- und Verantwortungsbereich.
Von der ausschließlichen Narkoseführung hat sich die Tätigkeit auf den Bereich vor der Operation (präoperative Phase), auf die Intensivmedizin, den Bereich nach der Operation (postoperative Phase) mit der Infusions- und Schmerzbehandlung und der Notfallmedizin ausgeweitet.
Bei der präoperativen Untersuchung werden Begleiterkrankungen beurteilt und abgeklärt, durch Einleiten einer Therapie der Zustand des Patienten optimiert und somit das Risiko zur Operation minimiert. Der Patient hat hierbei auch die Gelegenheit seine Ängste und Sorgen zu artikulieren und nach Beratung bei der Auswahl des geeigneten Narkoseverfahrens mitzusprechen.
Operation und Narkose stellen für jeden Menschen einen schwerwiegenden Eingriff in das Funktionsgleichgewicht des Körpers dar. Der Anästhesist schafft optimale Arbeitsbedingungen für den Chirurgen, gewährleistet die Sicherheit und den Komfort des Patienten und reduziert den Stress kurz vor, während und nach der Operation (perioperativ).
Bei der Narkose werden die Patienten während der gesamten Operation lückenlos überwacht. Dabei kann es sich um eine Regional- oder Vollnarkose handeln. Durch eine intensive Therapie während der Operation werden die Funktionen aller Organe aufrechterhalten.
Um die Gabe von Fremdblutkonserven zu reduzieren, wird bei Operationen, die mit einem größeren Blutverlust einhergehen, das Blut gesammelt, mit einem speziellen Gerät (Cellsaver) gewaschen und dem Patienten zurückgegeben..
Die Patientenzuwendung des Anästhesisten beschränkt sich nicht nur auf die Prämedikation und Narkose und endet auch nicht mit dem Ende der Operation, sondern findet seine Fortsetzung in der Betreuung im Aufwachraum und in der postoperativen Visite mit der differenzierten Schmerz- und Infusionstherapie.
Eine weitere wichtige Tätigkeit des Anästhesisten ist die Führung der Intensivstation mit der Behandlung von schwerstkranken Patienten. Die Wiederherstellung und Stabilisierung von Vital- und Organfunktionen ist das Ziel der Therapie. Die Behandlung schwerstkranker Patienten erfordert Beherrschung der Hightechmedizin, Teamarbeit mit allen Fachdisziplinen und höchste soziale Kompetenz.
Die Schmerzlinderung bei chronisch entstandenen Schmerzen oder Krebsleiden gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet des Anästhesisten. Mit Medikamenten, Infiltrtionen oder Einsetzen von Schmerzkathetern und -pumpen kann der Anästhesist die Schmerzen bekämpfen und die Lebensqualität der Patienten steigern.
Die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des LKH Wagna trägt ebenfalls die Verantwortung für das Notarztsystem im Bezirk Leibnitz und sorgt dafür, dass Notärzte rund um die Uhr zum Einsatz bereitstehen.